das auge: ein biologisches meisterwerk

auge ein biologisches meisterwerk

unsere augen sind ein sehr sensibles sinnesorgan. die augen helfen uns, unsere umwelt zu erschliessen und zeigen uns ein teil der schönheit dieser welt. mithilfe unserer ausdrucksstarken augen kommunizieren wir untereinander. 

ausdrucksstarke augen, dauerhafter durchblick

wodurch wird sehen ermöglicht

der mensch sieht mit dem gehirn. denn das, was man als sehvermögen bezeichnet, ist das endergebnis einer phantastischer reise, die das licht durch das visuelle system des gehirns unternimmt. die verarbeitung des lichts beginnt in den augen … in den augen wird das licht gefiltert und in einem punkt vereinigt, ehe es in elektrische impulse umgewadelt und über den sehnerv zum gehirn geleitet wird. der endgültige bestimmungsort dieser impulse ist das sehzentrum, die sehrinde im hinteren gehirnbereich, wo die impulse in bilder umgesetzt werden.

die augen sind die komplexesten auf licht ansprechenden sinnesorgane  und zu wahren höhstleistungen fähig. wir öffnen unsere augen und sehen, wir erkennen gegenstände, können entfernungen und farben unterscheiden und erleben unsere umwelt. die informationsflut, die wir mithilfe unserer augen aufnehmen, ist gewaltig. bis zu 60 Prozent aller das gehirn erreichenden informationen stammen von den augen. zu diesem zweck hat die natur ein äusserst intelligentes und effektives verarbeitungssystem entwickelt. doch sehen ist mehr als nur ein bild aufnehmen. schliesslich kommunizieren wir nicht nur durch die sprache und gesten, sondern auch über die augen.

das auge des betrachters

wenn es um sinneseindrücke geht, kann sich das gehirn täuschen lassen. man sieht manchmal dinge die scheinbar nicht existieren. sieht oder hört ein mensch dinge die nicht existieren, spricht man von halluzinationen. sie können durch verschiedene faktoren hervorgerufen werden, etwa durch hypnose aber auch durch mangelnden schlaf, stress, kranheit, drogen, alkohol. alkoholiker im delirium tremens sehen purpurrote spinnen oder fliegen, die auf ihrem körper herumkrabbeln, und menschen die unter dem einfluss der halluzinogenen droge lsd stehen, erblicken muster, die einem spinnengewebe ähneln. bei einem experiment erzeugte man bei den versuchspersonen halluzinationen durch reizentzug. dabei setzte man sie nackt in ein isolationstank mit körperwarmem wasser, in dem es vollkommen dunkel und still war. durch diese weitgehende ausschaltung äusserer reize sollte die these überprüft werden, dass sich das gehirn bei fehlenden reizen selbst stimuliert. schon nach kurzer zeit hatten die versuchspersonen tatsächlich lebhafte, zumeist visuelle halluzinationen. und was sie sahen, war derart plastisch, dass die meisten nicht wussten, wann sie träumten und wann sie wach waren.

neben anderen faktoren kann ermüdung zu einer der seltensten und faszinierendsten halluzinationsformen führen: dem doppelgängererlebnis. dabei sieht der betroffene sein eigenes abbild vor sich stehen. die „zweite person“ ist wie ein spiegelbild: sie hat den gleichen gesichtsausdruck, die gleiche körperhaltung und macht die gleichen bewegungen. es heisst, solche doppelgänger seien durchsichtig wie ein auf eine glasplatte projiziertes diapositiv. in manchen kulturen gelten derartige halluzinationen als erscheinung der eigenen seele oder als ankündigung des nahen todes. doppelgängerelebnisse treten gewöhnlich früh am morgen oder spät in der nacht auf und dauer nur wenige sekunden. zuweil sehen betroffene die halluzinierte gestalt auch in einem angrenzendem zimmer stehen. andere wiederum berichten, der doppelgänger habe hinter dem eigenen abbild im spiegel gestanden. bei gesunden menschen können derartige halluzinationen durch stress oder ermüdung hervorgerufen werden.

viele menschen erleben tag für tag halluzinationen, ohne sich daran zu erinnern. der grund dafür ist, dass die sinnestäuschungen beim einschlafen auftreten und nur wenige sekunden dauern. das phänomen, auch hypnagoge halluzinationen genannt, kommt sehr häufig vor und kann sowohl visuelle als auch akustische sinnestäuschungen umfassen. typische beispiele sind der klang vertrauter stimmen, das klingeln eines telefons, das lachen von kindern oder das bellen eines hundes. visuelle halluzinationen dieser art umfassen vertraute gesichter, haustiere, landschaften, bäche und wasserfälle. menschen die sich an ihre hypnagogen halluzinationen erinnern, berichten, die sinnestäuschungen wirkten erstaunlich real und zeichneten sich durch eine verblüffende genauigkeit in einzelheiten, durch große klarheit sowie helle, lebensnahe farben aus.

selektive wahrnehmung. beim wahrnehmungsprozess wird nicht alles verarbeitet, was als reiz aufgenommen wird. beispielsweise wird im sehfeld – also im kreis dessen, was das auge bei einer bestimmten stellung an lichtreizen tatsächlich empfängt – nicht alles gleich stark bewusst. vielmehr konzentriert sich der mensch auf spezielle, mitunter kleine ausschnitte aus diesem sehfeld und bekommt alles übrige mehr am rande – oder gar nicht – mit. dadurch wird vermieden, dass der sinnesapparat überlastet wird. nur das wichtige verarbeitet er in angemessener weise. diese auswahl oder selektion kann bewusst oder unbewusst ablaufen. oft ist in der tiefenpsychologie das, was man nicht mitbekommen hat, obwohl es objektiv gesehen oder gehört werden konnte, besonders aufschlussreich.

konstanzwahrnehmung. unabhängig von den tatsächlichen verhältnissen. der sinnenreize nimmt der mensch unterschiedliche größen – etwa bei gleich großen gestalten in verschiedenen entfernungen – oder unterschiedliche farben – bei verschiedenen beleuchteten weissen tischdecken – nicht als gegeben hin. eine in weiteren entfernung stehende gestalt wird vom betrachter nicht so klein eingeschätzt, wie sie dem bild auf der netzhaut nach sein müsste, und das schwach beleuchtete weisse tuch wird immer als weiss wahrgenommen, auch wenn es weniger licht reflektiert als ein schwarzes tuch im gleißenden sonnenlicht. unser wahrnehmungsapparat bestimmt helligkeit und farbe nach der durchschnittlichen beleuchtung. die konstanzwahrnehmung kann verstanden werden, wenn man das sehen als eine tätigkeit betrachtet, die von der umwelt, den erfahrungen und den ordnungsprinzipien des psychologischen wahrnehmungsvorgangs mit bestimmt wird.

halluzinationen. das lateinische wort haluzinari bedeutet träumen, faseln. wenn jemand gegenstände oder handlungsabläufe wahrnimmt und sie für wirklich hält, obgleich sie nicht vorhanden sind oder sich nicht abspielen, dann hat er halluzinationen. alle wahrnehmungsbereiche wie sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen lassen sich auf diese weise täuschen.

der mensch ist ein augentier

hättest du gedacht, dass es es die wonnespendende brüste der mutter sind, die der säugling als erstes vor augen hat? erasmus darwin, der großvater von charles darwin, wies schon vor zweihundert jahren darauf hin, dass das selige lächeln eines säuglings meist den weichen, warmen wonnehügeln der mutter gilt, die er beim trinken vor augen hat. zum eigentlichen blickkontakt zwischen mutter bunt kind kommt es erst in einer späteren entwicklungsphase.
für den heutigen menschen ist der gesichtssinn zwar das wichtigste wahrnehmungsorgan, doch in der sensorischen entwicklung spielt er keine führende rolle. zuerst entwickelt sich der tastsinn, dann folgen der gehörsinn, die oralen sinne und erst an letzter stelle der gesichtsinn. im laufe der weiteren entwicklung des individuums ändert sich diese rangfolge der sinne. die visuelle wahrnehmung rückt nun an die erste stelle. das war jedoch nicht immer so. unsere entfernten vorfahren folgten noch in ersten linie ihrer nase. erst als der urmensch sich zum aufrechtem gang erhob, wurde das auge zum wichtigsten sinnesorgan.

mehr als zwei drittel dessen, was um uns herum geschieht, nehmen wir mit dem gesichtssinn wahr. in einer einzigen sekunde können bewusst wahrnehmende – „sehende“ – augen viezig millionen informationseinheiten an das gehirn weiterleiten. ( der gehörsinn registriert „nur“ hundertfünfundachtszigtausend solcher einheiten.) diese fülle an eindrücken können wir nur deshalb aufnehmen, weil unsere augen nie länger als eine drittelsekunde auf einen festen punkt konzentriert sind. das ist in etwa solange, wie es dauert, „peng“ zu sagen. der sehstrahl unseres auges nimmt in dieser zeitspanne von einem gegenstand ein bild ab und übermittelt es dem gehirn. dort wird es wie in einem computer beurteilt, verglichen, vereinfacht und für immer und ewig aufbewahrt.

ist es nicht ein faszinierender und schöner gedanke, dass alles, was wir wahrnehmen, vergänglich ist, die wahrnehmungen unseres gesichtssinns selbst jedoch unverändert erhalten bleiben? mehr noch: auch die gefühle, die ursprünglich mit visuellen eindrücken verknüpft waren, könne immer wieder auftauchen. ein neuer, flüchtiger sinneseindruck genügt schon, um auf dem weg der assoziation früher gemachte visuelle erfahrungen zu reaktivieren. daher genügt dem gesichtssinn schon eine „momentaufnahme“, um uns nicht nur ein konkretes bild, sondern auch die schlussfolgerung aus dem gesehenen zu liefern. es genügt sogar schon eine knappe verbale vorinformation, um uns die komplexeste situation visuell erfassen zu lassen.

die psychologin mary c. potter vom psychology department des massachusetts institute of technology stellte in experimenten fest (17) dass ein mensch in sekundenbruchteilen nicht nur die grobe kategorie eines erwartenden bildes ( zum beispiel „boot“) wahrnimmt, sondern auch genaue einzelheiten, und zwar auch dann, wenn er auf das bild in form eines hinweises vorbereitet wurde. mehr noch: die vorkenntnis der bedeutung eines bildes reichtzu einer erkenntnisleistung aus, die genauso präzise ist wie jene leistung, die nach genauer kenntnis eines bildes auf einem wiedererkennungsprozess beruhrt.

und dennoch ist der sehnerv, durch den die vierzig millionen informationseinheiten im bruchteil einer sekunde ins gehirn gelangen, nur ein relativ bescheidendes bündel von etwa achthundertfünfzigtausend nervenfasern. auch wenn dir quantitative angaben ansonsten nicht viel bedeuten, möchte ich dir der anschaulichkeit halber die wesentlichen zahlen hinsichtlich der physiologie des sehens nicht vorenthalten. jedoch keine bange, diese trockene angelegenheit wird schnell überwunden sein.

die lichtempfindliche schicht der netzhaut besteht aus zahllosen „empfängerzellen“, genaugenommen aus hunderfünfundzwanzig milionen „stäbchen“ und sieben millionen „zapfen“. die „stäbchen“ ermöglichen das sehen bei nacht und gestatten die unterscheidungen von farbschattierungen. die „zäpfchen“ erlauben uns das sehen bei tageslicht und die differenzierte wahrnehmung von farben. so unglaublich es auch klingen mag, aber die funktionsweise dieser rezeptoren ist noch weitgehend unerforscht. wir können uns daher alles weitere theoretisieren guten gewissens ersparen und wollen uns im folgenden mehr mit der praktischen seite unseres gesichtssinns auseinandersetzen.

da die augen unseres meiststrapaziertes sinnensorgan sind, schenken wir den dingen im allgemeinen keine besondere beachtung mehr, sobald wir einen genauen begriff von ihnen haben. würden wir uns nicht so verhalten, so könnte unser gehirn den unaufhaltsamen andrang ständig neuer informationseinheiten kaum verarbeiten.
wenn du beispielsweise in einer von alleebäumen gesäumten strasse wohnst, so sind diese bäume für dich wahrscheinlich längst zu einem altvertrauten anblick geworden. obwohl du also die bäume täglich siehst, löst diese wahrnehmung bei dir keine besonderen impulse mehr aus. wie sollte es auch anders sein, da du alle für dich wichtigen optischen eindrücke über die bäume gesammelt hast, seit du damals in die gegend gezogen bist.
im urlaub, in einer fremden, noch nicht vertrauten und daher keineswegs selbstverständlichen umgebung, da haben wir ständig – oder zumindest relativ häufig – den „scharfen“ blick. da erleben wir eine allee nicht nur als „gesamtbild“, sondern sehen sie auch im detail: wir nehmen die zarte färbung der blätter an den bäumen wahr, die bizarren äste und die knorrigen stämme. eine ungewohnte umgebung ist nicht eine „graue masse“, sondern bunt, schillernd, neu und erregend. der blick für details weckt stimmungen und assoziationen und macht das leben aufregend und schön.
da die christlich-jüdische tradition jede art von „handgreiflicher“ sinnlichkeit von je her tabuisiert hat, kommt dem gesichtssinn in unserem kulturkreis noch eine zusätzliche bedeutung zu: als sinnenswahrnehmung der entfernung ermöglicht uns der gesichtssinn jene distanz zu unseren mitmenschen, die unsere distanzierte kultur verlangt. zugleich sichert unsere sehfähigkeit aber auch die erfüllung unseres verlangens nach schönem.
so elementare empfindungen wie vergnügen und abneigung sind im allgemeinen ganz wesentlich mit näheempfindungen verbunden. ein geschmack, der uns auf der zunge vergeht, ein duft, der uns in die nase steigt, oder die körperliche nähe eines menschen sind wesentlich unmittelbare empfindungen als der distanzierte anblick von etwas schönem und daher auch in erotischer hinsicht viel gefährlicher als der voyeurismus, das heisst die gewohnheit, sich die dinge nur aus der ferne anzuschauen.
doch wie schon verschiedentlich erwähnt, unterliegt die körperliche nähe in unserer kultur einem tabu, und spontane körperliche annäherung ist verpönt. wir sind daher ersatzweise dazu übergegangen, uns, statt uns gegenseitig zu befühlen oder zu „beschnüffeln“, gegenseitig „ins auge zu fassen“. anstatt einen gegenstand, der uns gefällt, mit der hand zu berühren, tasten wir ihn mit den augen ab. so haben wir uns vom „nasentier“ zum „augentier“ entwickelt und bewahren gegenüber unserer umwelt immer die „notwendige“ distanz.
obwohl also das auge zu recht als unserer führender sinn gilt, ist es dennoch nicht jener unerschöpfliche quell der erkenntnis und der erfahrung, der es sein könnte. wir wollen zwar sehen, um zu erkennen, aber unser gesichtssinn ist aufgrund der an ihn gestellten forderungen der Nützlichkeit in seiner wahrnehmungsfähigkeit schon seit langem derart reduziert, dass wir nur noch sehen, was wir sehen wollen beziehungsweise dürfen.

wie findet man eine weisse kuh im schneesturm

ein maler zeigt einem interessierten käufer eine vollkommen weisse leinwand. auf die frage des käufers: „was soll das sein?“ antwortet der maler: „eine weisse kuh im schneesturm.“
der sitz ist alt, aber es gibt eine erklärung, warum der käufer hier offensichtlich für dumm verkauft werden soll: das visuelle system kann objekte vor der verschiedensten hintergründen erkennen. wäre eine kuh tatsächlich vorhanden, dann würde sie sich aus mehreren gründen vom schnee abheben: das weiss der kuh entspreche nämlich nicht genau dem weiss des schnees. vor jedem nicht weissen hintergrundbereich hätte der körper der kuh einen erkennbaren umriss. und selbst wenn die kuh vor einem  schneebedeckten hügel stünde, wären entweder zwei braune augen oder abweichungen in der oberflächenstruktur bzw. der helligkeit zu erkennen. das visuelle system unterscheidet tagtäglich zwischen tausenden von gegenständen und vielschichtigen hintergründen. ob man im gewirr einer großstadt nach einer telefonzelle ausschau hält, das gesicht eines freundes in der menschenmenge oder pilze auf dem waldboden sucht – das visuelle system kann das gewünschte objekt finden und sich darauf konzentrieren, wobei alles andere in der umgebung nahezu vollständig ausgeblendet wird.
diese unterscheidungsvermögen reagiert auch auf erstaunliche feinheiten. so kann man, wenn man beispielsweise einem anderen menschen ins gesicht schaut, nicht nur sehen, ob er lächelt oder grinst, sondern sogar zwischen einem falschen und einem echten lachen unterscheiden. die berechnungen, die das gehirn anstellt, um all diese informationen zu sortieren und zu verarbeiten, sind derart kompliziert, daß sie von keinem computer nachvollzogen werden können. die verarbeitungsprozesse und die verknüpfungen der gehirnbahnen sind so komplex, dass bereits überaus leistungsfähige computer erforderlich sind, wenn wissenschaftler auch nur theoretische überlegungen dazu anstellen wollen. (grundlagen des sehvermögens, seite 114, wunder und rätsel der menschlichen psyche, 1000 fragen und 1000 antworten)

augen und psyche

das auge ist auch ein ausdrucksstarkes spiegelbild unserer seele. bekanntlich können blicke bände sprechen, indem sie starke emotionen zum ausdruck bringen. und auch der gemütszustand kann sich auf die augenfunktion auswirken. wenn wir angst , aufregung oder große freude verspüren, weiten sich die pupillen. wenn wir sehr starke gefühle empfinden, ob positiv oder negativ, laufen unsere augen quasi über – tränen fliessen. augen weinen, sprühen, funkeln, blitzen und lachen. ein blick sagt mehr als tausend worte – und augen lügen nicht. blicke können böse und strafend sein, und es heisst sogar, sie könnten töten. unser gegenüber offenbart oder verschließt sich uns ganz wesentlich durch den ausdruck seiner augen – es zieht uns an oder stößt uns ab.
augen spiegeln aber nicht nur die seelische befindlichkeit wider. durch bilder werden auch physiologische abläufe ausgelöst. ein einladend gedeckter tisch und appetitlich angerichtete speisen lassen uns das wasser im mund zusammenlaufen. das auge isst mit. die wahrnehmung der umwelt mithilfe des auges, d.h. die verknüpfung von sehsinn und psyche, zählt zu den großartigsten errungenschaften der evolution. korrektes beobachten und emotionale bewertung des gesehenen sind lebenswichtig. unser überleben hängt davon ab, angemessen auf unsere umwelt zu reagieren, gefahren erkennen und richtig einschätzen zu können sowie den zugang zu unseren mitmenschen zu finden. oft ist dafür bereits der erste blickkontakt entscheidend. liebe auf den ersten blick, jemanden schöne augen machen sowie den nötigen durchblick haben – alles Redewendungen, die das beschreiben.
am gesamtvorgang der optischen wahrnehmung ist nicht nur das auge, sondern auch mindestens ein drittel unseres gehirns beteiligt. wir sehen die welt also nicht so, wie sie die netzhaut zeichnet, sondern wir nehmen die abbilder der netzhaut als das wahr, was sich im leben und in der evolution durch erfahrung am besten bewährt hat. erst im gehirn wird uns sehen wahrnehmung.

wie du bildhaft denken kannst

albert einstein hat einmal gesagt, daß er die relativitätstheorie zunächst nicht in form theoretischer berechnungen und überlegungen verstanden habe, sondern in form eines inneren bildes, das er vor augen hatte. natürlich gibt es nur einen einstein. doch ein inneres auge, also eine vorstellungskraft, haben wir alle. wir alle verfügen über die angeborene fähigkeit, bildhaft zu denken und probleme mit hilfe bildhaften denkens zu lösen.
ein freund klärte auf diese weise ein kaminproblem, an dem schon etliche fachleute gescheitert waren. trotz diverser umbauten zog der rauch aus dem kamin in meinem wohnzimmer nicht richtig ab. eduard – so der name des freundes – saß eines tages vor dem qualmenden kamen, schaute, überlegte, schloß die augen – und hatte die lösung des problems entdeckt. er deutete auf die glatte wand und meinte: „im schornstein muss ein mauervorsprung sein.“ ich vertraute seiner vermutung und liess die wand öffnen. und tatsächlich verengte ein schlecht eingesetzter Ziegel an einer stelle den schornstein. ich war baff. „du bist doch überhaupt kein fachmann“, staunte ich. „wie bist du bloss auf die idee gekommen?“ eduard winkte bescheiden ab. „ich habe mich in den rauch hineingedacht. ich stellte mir vor, wie ich durch den kaminschlauch aufsteige. dann stiess ich auf ein Hindernis, an dem ich nicht vorbeikam. und als sich immer mehr rauch ansammelte, wurde ich nach unten in den kamin zurückgepresst. so einfach war das.“

so einfach und doch so schwer. ein halbes dutzend fachleute hatten an dem kamin herumgebastelt, einen elektrischen abzug montiert und so fort. aber keiner hatte ein sinnliches bild vor seinem innerem auge entstehen lassen, sich also „ausgemalt“, welchen weg der rauch nehmen musste. genau diesen weg der problemlösung empfiehlt rudolf arnsheim seinen studenten, ob sie nun von der medizinischen oder technischen fakultät kommen. „wenn man sieht, was vor einem ist“, sagt der gestaltpsychologe, „erkennt man sofort, was an der gegebenen ssituation falsch ist.“ ( sinnlichkeitsregel 83, seite 180, gerti senger, sinnesfreude lebenslust – 100 regeln für eine neue sinnlichkeit)

die welt des menschen ist sein auge

redensart in mali, westafrika

wer wollte glauben, das ein so kleiner raum die bilder der gesamten universums enthalten könnte? welche sprache könnte ein so immenses wunder enthüllen? leonardo da vinci

der legende nach wurde die menschheit aus den tränen gottes geboren. das auge, glänzend, funkelnd, vernichtend, strahlend, wahrt diese magische aura. es nimmt licht auf und gibt licht ab, schaut nach draussen und nach innen, ist ein fenster zur seele und zur welt, es enthüllt und nimmt wahr, durchschaut und sieht wahr. es kann auch zu viel sehen oder überhaupt nichts. das auge erhellt, begreift, drückt aus, beschützt, versenkt und starrt. durch die art und weise , in der uns jemand anderes anblickt, können wir uns regelrecht durchschaut fühlen, und bleiben wir unbeachtet, „unbesehen“, empfinden wir verzweiflung und kummer.
ein verlust der augen oder der sehkraft, kann einen prozess anstossen, der heilsam oder schöpferisch ist, hellseherei ermöglichen, ein „drittes auge“ eines „inneren blicks“ öffnen, zur entwicklung eines transperonalen bewusstseins führen. verlorenes augenlicht oder fehlenden augen, der psychologischen dynamik von auflösung, opfer und wiederherstellung zuzurechnen, stehen symbolisch für die potenzielle transformation einer form des bewusstseins – einer form des „sehens“ zu einem anderen sehen. das kann zweierlei bedeutung haben und heissen, „niemand ist so blind wie jene, die nicht sehen wollen“, oder sich auf ein „sehen“ und bewusstsein beziehen, das abhängiger ist und eher einer inneren vision entspringt denn der sinnlichen wahrnehmung. im hinblick auf weisheit wurde das „zweite sehen“ im vergleich zum sehen mit den augen des kopfes stets als das genauere, das „visionäre“ sehen betrachtet. ein „augenzeuge“ kann getäuscht worden sein, doch die „blinden augen“ der justiz sehen die wahrheit. obgleich das auge also traditionell mit licht, erkenntnis, intelligenz, vernunft und spirituellem bewusstsein in die weisheit der träume und all der unbewussten und emotionalen elemente, die zu einem umfassenden menschlichen verständnis gehören.
diese dualität des sehens und bewusstseins, die uns das bild der augen vermittelt, spiegelt sich erneut im motiv des „einen auges“ gegen zwei. einäugiges sehen wie das der zyklopen oder das vernichtende, verbrennende, suchende auge der ägyptischen göttin sekhmet oder gar die „augen gottes“ können ein begrenztes, zerstörerisches, missgünstiges und paranoides bewusstsein repräsentieren. dem bedrohlichen und verhängnisvollen „bösen blick“ wiederum muss man entgegnen und mit unheil abwendenden talisman „hinterherschauen“. doch der intensive blick „eines auges“ kann auch eine einheit der sicht repräsentieren, in der der dualismus der „inneren und äusseren“ sicht aufgelöst erscheint, ähnlich wie sich licht im gehirn zu einer anderen form elektrochemischer energie wandelt. dieses „licht des geistes“ stellte man sich als „das dritte auge“ vor, das „auge des dharmas“ im buddhismus, „das auge der weisheit“ im islam, „das auge des shiva“ im hinduismus und „das auge gottes“ im christentum.
im hermetischen symbolismus eröffnet die eindimensionale sicht das spiel der gegensätze: der beiden inneren/äusseren, blinden/sehenden, solaren/lunaren, erhellenden/abstumpfenden, geöffneten/geschlossenen augen, die sich jedoch allesamt in einer anderen, entwickelteren form einer vereinheitlichten sicht auflösen. bewusstsein, das als einäugiges „betrachten“ einsetzt, tritt eine reise durch psychische prozesse an, die als tod oder verstümmelung vorgestellt werden, um schliesslich verwandelt in einem einäugigen „sehen“, einer erleuchtung, zu münden. dies ist eine der projektionen, einer der träume der menschheit von totalität des bewusstseins.
indirekter betrachtet, entspricht das auge metaphorisch der initation, den flüchtigen traumbildern von schönheit, dem geist der dinge, dem emotionalen zentrum eines sturms, lebenswichtigen erfahrungen und den geheimnissen der seele. der stets wachsamer puritanische geistliche cotton mather meinte, schielen sei ausdruck „niederer und niederträchtiger ziele, eines unkeuschen auges“. gleichwohl bleibt zu peripheren und okkulten visionen viel zu sagen, warum wir die augen geöffnet, doch gesenkt und verschleiert halten, warum wir mit einem auge die zeit und mit dem anderen die ewigkeit im blick haben sollten, um schliesslich die trübe verschwommene realität menschlichen bewusstseins, ausdrucks und verletzlichkeit gegen das scharfsichtige urteilsvermögen – oder die blendung – des bewusstseins auszutauschen…gegen das „auge des herzens“. (menschlicher körper, seite 354, das buch der symbole – betrachtung archetypischer bilder, taschen verlag)

sehstörungen und erkrankungen der augen vorbeugen

besser sehen – dazu trägt nicht nur eine ausgewogene ernährung mit viel grünem gemüse und salat, buntem obst, kernigem vollkorn und omega-3-haltigem seefisch bei. die high-tech-optik in unserem kopf ist verletzlich und pflegebedürftig. obwohl die medizinischen möglichkeiten von der vorsorge bis zu behandlung sich ständig verbessern, nimmt die zahl derer, die auf sehilfen angewiesen sind, kontinuierlich zu. rund 40 millionen deutsche tragen eine brille oder kontaktlinsen – mit steigender tendenz. unser lebensstil kann buchstäblich ins auge gehen.
deshalb ist nicht nur eine richtige ernährung wichtig, sondern auch ein insgesamt augenfreundliches verhalten. genau wie der restliche körper braucht auch das auge ein gleichgewicht zwischen ruhe und bewegung.

tränen – mehr als wasser

jeder mensch produziert etwa ab seiner dritten lebenswoche täglich durchschnittlich ein gramm tränenflüssigkeit. das hört sich zunächst nach nicht sehr viel an. die tränenflüssigkeit ist aber eine besonders ausgeklügelte mixtur und so einzigartig, dass es bisher noch nicht gelungen ist, sie durch so genannte „künstliche tränen“ oder tränenersatzmittel exakt nachzubilden.
an tränenreichen tagen kann die durchschnittlich produzierte tränenmenge um das hundertfache erhöht sein, wobei diese flüssigkeit dann aber eine andere, einfachere zusammensetzung aufweist. mit jedem lidschlag wird ein hauchdünner tränenfilm über das auge verteilt, der die oberfläche glatt, sauber und geschmeidig hält. um all diese aufgaben zu erfüllen, bedarf es einer ganz besonderen zusammensetzung.

der tränenfilm wird von unterschiedlichen drüsen gebildet und setzt sich aus drei schichten zusammen: einer schleimhaltigen, einer wässrigen und einer fetthaltigen.
die fetthaltige phase hat die aufgabe, den tränenfilm zu stabilisieren. hierdurch wird ein zu rasches verdunsten der flüssigkeit verhindert.
die wässrige phase versorgt die hornhaut mit nährstoffen und enthält darüber hinaus abwehrzellen.
die schleimhaltige phase umhüllt fremdkörper und hilft mit, diese unschädlich zu machen.

ausser aus wasser bestehen tränen auch aus mineralien, eiweiss, enzymen, schleimstoffen, fettanteilen und zersetzenden stoffen.
vitamine spielen ebenfalls eine rolle. das in der tränenflüssigkeit enthaltene vitamin c erfüllt zwei aufgaben: es dient als oxidationsschutz und ist teil des stoffwechsels der hornhaut.

die tränenflüssigkeit ist für gesundheit, funktionstüchtigkeit und schutz der augen von bedeutung. wenn wir im „luftzug“ sitzen oder ventilatoren und klimaanlagen eine austrocknung in den augen verursachen, ist das weit mehr als nur eine lästige begleiterscheinung

nähr- und schutzstoffe für gesundes sehen

der bekannteste nährstoff, der mit der sehfunktion und der gesundheit der augen in verbindung gebracht wird, ist das vitamin a.
vitamin a reguliert das wachstum, den aufbau und damit die funktion fast aller haut- und schleimhautoberflächen – sowohl im auge und im magen-darm-trakt als auch in den atemwegen. es schützt alle diese körperbereiche vor infektionen.

im falle einer vitamin a unterversorgung leiden auge und haut als erstes. beim auge kann es zu beeinträchtigungen der bindehaut, der hornhaut und der linse kommen. in unterschiedlichen stadien der unterversorgung treten augentrockenheit, benetzungsstörungen und ein verlust an transparenz auf. damit verbunden sind struktur- und farbveränderungen der binde- und hornhaut: sie wird rau, glanzlos und trocken. ein ausgeprägter und fortgesetzter vitamin a mangel wie er vor allem in „entwicklungsländern“ beobachtet wird, kann insbesondere bei kindern zum zerfall des vorderen augenabschnitts und sogar zur erblindung führen.
derartige schwere mangelzustände kommen in westlichen industrieländern zwar so gut wie nicht vor, eine leichte vitamin a unterversorgung kann aber nicht ausgeschlossen werden. so wiesen bspw. im jahr 2004 wissenschaftler des bundesinstituts für risikobewertung (bfr) darauf hin, dass wahrscheinlich mindestens ein viertel der deutschen bevölkerung die empfehlungen für eine bedarfsdeckende vitamin a zufuhr nicht erreicht.

eine besonders starke beanspruchung der augen, wie das regelmässige arbeiten am computerbildschirm, übermässiger tv-konsum und häufige nachtfahrten mit dem auto oder lkw können den vitamin a bedarf erhöhen. wer häufig sonnenbadet, weist ebenfalls einen erhöhten bedarf an vitamin a auf – sonnenlicht baut das vitamin a im auge ab. viele gelbe, rote und grüne gemüse und obstsorten sind gute provitamin a quellen. dazu zählen: brokkoli, grünkohl, spinat, feldsalat, tomaten, fenchel, aprikose, honigmelone, mango, sanddorn …

in der naturheilkunde ist das augenschützende potenzial der heidelbeere (blaubeere) schon seit langem bekannt. eine beerenstarke ernährung soll für gute nachtsicht sorgen: aus diesem grund aßen piloten der englischen air force im zweiten weltkrieg regelmässig heidelbeerkonfitüre.
die wirksamen schutzstoffe der heidelbeeren, die auch in roten trauben, dunklen kirschen, brombeeren und schwarzen johannisbeeren vorkommen, sind die zu den sekundären  pflanzenfarbstoffen zählenden anthocyane. sie verleihen fürchten ihre blaue, rote, violette oder fast schwarze farbe … beerenfrüchte mit ihren schützenden anthocyanen könnten einen wichtigen beitrag zur festigkeit der blutgefäße im auge leisten.

persönliches fitnessprogramm für die augen

wer sport treibt, der weiss, wie man seine körperliche fitness verbessern kann. im gegensatz dazu glaubt ein großteil der menschen, dass man gegen nachlassende sehkraft nichts tun kann.
wer stundenlang liest oder auf den Bildschirm starrt, bekommt nicht nur müde und trockene augen. studien belegen, dass er dann auch eine verschlechterung der sehleistung riskiert. nur die wenigsten wissen, das augenmuskeln durch schnelle bewegungen trainiert werden können. ballsportarten wie badminton oder tischtennis sind optimal, um die sehkraft zu trainieren. doch auch wenn man keinen derartigen sport treibt, ist es mit einigen einfachen übungen möglich, die augenfunktion zu aktivieren. dabei verbessert sich auch das zusammenspiel von augen und sehzentrum im gehirn.

ritual 1

diese fertigkeit trainiert die beweglichkeit deiner augen. stelle dir vor, an deiner nasenspitze wäre ein stift befestigt. male mit diesem imaginären stift schlangenlinien in die luft, oder zeichne gegenstände im raum nach.

fitte augen im büro

eine weitere empfehlenswerte einheit ist der „panoramablick“. wenn du in deinem arbeitsalltag häufig an den nahbereich fokussieren musst, gönne dir ab und zu eine pause und lasse den blick weit werden:

ritual 2

der panoramablick für computergestresste augen. falls du brillenträger bist, nehme diese ab. dann versuche alles gleichzeitig in den blick zu nehmen, ohne etwas zu fixieren. lasse deinen blick in der ferne ruhen, atme tief ein, und geniesse die entspannung deiner augen.

ritual 3

die sehgewohnheit „liegende acht“ lockert die augenmuskeln und macht sie geschmeidiger. male mit deinem daumen etwa 20 cm vor deiner nase eine liegende acht in die luft, und folge dem daumen mit den augen. du wirst merken, dass deine augen mit der zeit entspannter und beweglicher werden.

nahezu jeder sechste augenarzt patient leidet an entsprechenden symptomen. der ganz normale alltag belastet unsere augen. regelmässiges arbeiten am bildschirm, angestrengtes lesen, trockene raumluft, das tragen von kontaktlinsen sowie kunstlicht bedeuten stress für die augen und können zu trockenen augen führen. daher solltest du zum ausgleich regelmässig auf eine bewusste entspannung deiner augen achten.

routine 4

gegen trockene augen und für entspannung. gähne lang und kräftig! wichtig dabei ist die lautstärke. wenn du das einige male gemacht hast, wirst du feststellen, das deine augen zu tränen beginnen und dadurch wieder besser befeuchtet sind. falls dir spontanes gähnen schwierigkeiten bereitet probiere es mit folgendem trick:

routine 5

„gähnen“ gegen trockene augen und für entspannung. öffne und schliesse den mund langsam, während du gleichzeitig mit kreisenden bewegungen deine kiefergelenke massierst.

gerade menschen, die viel am bildschirm arbeiten oder längere zeit vor dem fernseher verbringen, blinzeln häufig zu wenig. dies führt dazu, dass die augen unzureichend befeuchtet werden.

routine 6

blitzeln: mache es dir zur gewohnheit mehrmals am tag ganz bewusst zu blinzeln. um das blinzeln in deinen tagesablauf einzubauen, eignen sich immer wiederkehrende abläufe und rituale. blinzele z.b. morgens vor dem aufstehen, jedes mal, wenn du den kühlschrank öffnest oder wenn du dir die zähne putzt.

palmieren und wellness für die augen

dabei handelt es sich ebenfalls um eine gute möglichkeit, die augen zu entspannen und gleichzeitig die bildung von tränenflüssigkeit anzuregen. das auge wird auf diese weise besser befeuchtet. die übung kannst du im sitzen oder liegen durchführen:

routine 7

palmieren: reibe deine handflächen aneinander, bis sie warm sind. bedecke deine augen mit den gewölbten handflächen. halte dabei die augen geöffnet, und atme ruhig ein und aus. lasse die entspannung auf dich wirken und geniesse die dunkelheit.

übung 8

augenmassage:

lege die mittelfinger beider hände auf die stirnmitte. massiere die stirn mit leichten, kreisenden bewegungen. wandere dabei langsam in richtung der schläfen. wandere mit kreisenden bewegungen weiter nach unten bis zu den ohrläppchen. wiederhole diese entspannung zwei bis drei mal.

wusstest du, dass …

die augen gefühle offenbaren können? die art und weise, wie sich die pupillen erweitern oder zusammenziehen, kann die empfindung eines menschen offenbaren. eine starke erweiterung der pupillen lässt darauf schliessen, dass jemand eine person oder eine sache mit großem interesse betrachtet. seit jahrhunderten beobachten händler in orientalischen basaren die augen ihrer kunden, um herauszufinden, welchen preis sie wohl verlangen können.

ein zu enger hemdkragen das sehvermögen beeinträchtigen kann? schon wenn der hemdkragen etwas zu eng ist, wird die versorgung der netzhaut und des gehirns mit blut eingeschränkt, was sich auf die sehkraft auswirkt.

maler der welt möglicherweise mit anderen augen sehen? eine theorie besagt, dass menschen die gut zeichnen können, eine fähigkeit besitzen, sich auf die grundelemente zu konzentrieren, aus denen ein gegenstand besteht. wenn sie etwa ein tisch zeichnen, sehen sie alle einzelteile und erfassen, in welcher beziehung die linien zu einander stehen.

 

die dritte dimension

es reicht nicht aus , ein objekt lediglich zu sehen. man muss auch wissen , in welcher entfernung man selbst zu ihm steht. die fähigkeit des gehirns, diese beziehung zu erkennen, nennt man tiefenwahrnehmung. einer der wichtigsten visuellen anhaltspunkte für die tiefenwahrnehmung ist die querdisparation, die sich aus den beiden ungleichen (disparaten) blickwinkeln der augen ergibt. aufgrund des abstands zwischen beiden pupillen sieht jedes augen die dinge aus einem etwas anderen blickwinkel. mit hilfe der informationen, die jedes auge liefert, berechnet das gehirn, in welcher entfernung man sich zu dem objekt befindet. das ergebnis ist das dreidimensionale oder räumliche sehen.
das gehirn übernimmt die bilder beider augen völlig kritiklos und blendet sie selbst dann übereinander, wenn das entstehende einzellbild jeglicher logik und erfahrung wiederspricht. diese behauptung lässt sich durch ein einfaches experiment leicht überprüfen. man rollt ein stück papier zu einer röhre zusammen und stellt an anderem ende des zimmers eine brennende kerze auf. nun schaut man mit dem rechten auge durch die papierröhre auf die kerze und lässt auch das linke auge offen. als nächstes führt man das linke auge langsam an der röhre vorbei. wenn die hand einen bestimmten punkt erreicht hat, sieht man ein loch in der hand, und genau in der mitte brennt die kerze.
eine kerze, die in einem loch in der hand brennt, ist weder logisch noch glaubhaft; dennoch sieht man sie.

manche menschen sind „stereoblind“. für sie ist jeder 3-d-film eine enttäuschung. sie können ihre augen nicht richtig ausrichten, so dass ihnen die visuellen hinweise fehlen, die normalerweise die querdisparation liefert. trotzdem können diese menschen tiefenunterschiede erkennen, denn es gibt viele tiefenhinweise, auf die jedes auge einzeln reagiert.

weshalb weiss man beim blick auf eine bahnstrasse, das die schienen auch in der ferne parallel verlaufen? verfügt der mensch von geburt an über dieses wissen, oder muss er es erwerben? laufen die schienen vielleicht doch zusammen, so wie es zu sein scheint? solche fragen beschäftigen philosophen und wissenschaftler seit jahrhunderten, und drei theorien haben sich herausgebildet.
eine erklärung geht davon aus, dass man aus erfahrung weiss, dass die schienen, obwohl sie scheinbar zusammenlaufen, parallel bleiben. die informationen der augen werden somit vom gehirn als entfernung interpretiert.
bei einer anderen theorie wird für die erklärung der begriff gestalt verwendet. die theorie besagt, dass man eine szene, die man sieht, intuitiv in ihrer vollen bedeutung erfasst. es erübrigt sich somit, analysieren zu wollen, wie die einzelnen teile ein sinnvolles ganzes ergeben. sie tun es einfach. ein drittes modell geht davon aus, dass das gehirn ausser den eisenbahnschienen noch viele andere visuelle hinweise erhält, mit denen man entfernungen  bestimmen kann. einer der wichtigster aspekte ist der kontrastreichtum der umrisse, die sogenannte luftperspektive, die mit wachsendem abstand abnimmt. die schärfe im detail wird demzufolge mit räumlicher nähe, verschwommenheit, hingegen mit der entfernung assoziiert.
mit hilfe von spiegeln und glasscheiben, die die illusion eines abgrunds vermitteln, versuchte die psychologin eleanore gibson herauszufinden, ob babys über ein angeborenes höhen- und tiefenwahrnehmungsvermögen verfügen. da die krabbelnden kleinkinder am rand des vermeintlichen abgrunds mit ihren bewegungen innehielten, folgerte man, dass bereits ein gewisses tiefenwahrnehmungsvermögen bei ihnen vorhanden war. weil aber selbst babys einige erfahrung in bezug auf höhe und perspektive haben, lässt sich nicht mit bestimmtheit sagen, ob die wahrnehmung der höhe tatsächlich angeboren ist oder nicht.

die frau, die mit den händen sehen konnte

durch eine krankheit wurde helen keller im alter von zwei jahren blind und taub. nach ihren eigenen worten war sie in der darauffolgenden zeit ein „wildes und aufsässiges“ kind.
als helen sechs jahre alt war, stellten ihre eltern anne sullivan als lehrerin für sie ein. mit hilfe des tastsinns versuchte anne sullvivan immer wieder, helen den zusammenhang zwischen den worten und den dingen, für die sie stehen, zu vermitteln indem sie ihr worte in die hand buchstabierte. der durchbruch kam mit dem wort wasser. als kühles wasser aus einem brunnen über helens hand floss, buchstabierte ihr anne sullivan in die andere das wort wasser. „ich stand still da, meine ganze aufmerksamkeit galt den bewegungen ihrer finger“, erinnerte sich helen später. „plötzlich verspürte ich ein erregendes gefühl, und auf einmal lag das geheimnis der sprache offen vor mir.“ von diesem tag an „sah“ helen die welt auf eine neue weise. ihr tastsinn wurde für sie eine art sehvermögen: „manchmal scheint es mir, als bestehe mein ganzes wesen aus lauter augen. ob man besser mit der hand oder mit dem auge sieht, kann ich nicht beurteilen. ich weiss nur, das die welt, die ich mit meinen fingern sehe, lebendig, farbenfroh und schön ist.“
helen entdeckte aussergewöhnliche methoden, sich an gegenständen und tönen zu erfreuen: „von zeit zu zeit lege ich meine hand auf einen kleinen baum und fühle das fröhliche beben eines zwitschernden vogels“. durch den tastsinn konnte sie auch freude, leid und viele andere gefühle wahrnehmen. helen keller fühlte, dass die stille und die dunkelheit, in denen sie lebte, ihr die tür zu einer welt der sinnesempfindungen geöffnet hatten, die sehenden und hörenden menschen für immer verschlossen bleibt: „mit meinen drei zuverlässigen führern, gefühl, geruch und geschmack, unternehme ich viele streifzüge in das grenzland der erfahrung, das in sichtweite der stadt des lichts liegt“.

die magie des blickes

unsere augen haben es in sich: sie sind das einzige organ, das fähig ist, gleichzeitig signale zu empfangen und auszusenden. dein gehörsinn macht es dir zwar möglich, den komplimenten deines partners zu lauschen, ihm jedoch mit den ohren zu antworten, das wird dir beim besten willen nicht gelingen. du kannst den geruch deines liebsten begierig mit deiner nase schnuppern, aber ihm oder ihr mittels der nase gleiches mit gleichem zu vergelten, nein, das kannst du einfach nicht.
deine augen können jedoch genau das! sie können einem verehrer  einen so tiefen, vielsagenden blick zuwerfen, dass sein puls zu rasen beginnt, und gleichzeitig kannst du mit deinen augen beobachten, wie sie bei ihm ankommen. ist das nicht phantastisch?
noch etwas vermag unseres gesichtssinn: wir können gleichzeitig durch unsere eigenen augen und durch die des partners sehen. was unser interesse erweckt, erregt ihm. diese wechselseitige beziehung zwischen dem sehenden und dem gesehenen ist einer der wesentlichen reize der erotischen liebe.
übrigens ist auf das, was du in den augen deines partners liest, absoluter verlass! einem erfahrenem mann kann zum beispiel eine frau in einer intimer situation nichts vormachen. er weiss immer, ob die freude an der schönsten sache der welt echt oder nur gespielt ist. augen führen ein eigenleben;

auf die pupillenreaktion ist verlass

die pupillenreaktion ist ein verlässlicher indikator für gefühle und empfindungen. die pupille, dieser dunkle, veränderliche punkt in der iris, ist die ursache dafür, das man die augen zu recht die „fenster zu seele“ nennt. die pupillenreaktion entzieht sich nämlich weitgehend unserer bewussten kontrolle. die eigentliche aufgabe der pupille besteht darin, das licht zu regulieren, das auf die netzhaut fällt. das bedeutet, dass infolge des ständig wechselnden lichteinfalls die pupillen permanent leicht in bewegung sind. darüber hinaus reagiert die pupille aber auch auf andere sensorische und physische reize. die erweiterung der pupille signalisiert interesse, offenheit und glück. eine verengung deutet auf konzentration, mißtrauen oder auch abwehr oder schmerz.
bei sexueller erregung werden die pupillen auch dann groß und dunkel, wenn gegenlicht auf sie fällt. den physikalischen gesetzen folgend müssten sie sich eigentlich verengen! aber wenn gefühle im spiel sind, gehorchen die pupillen stärkeren mächten. und ist es nicht seltsam, dass alle menschen, auch solche, die von pupillenreaktionen noch nie etwas gehört haben, sich ganz instinktiv von großen pupillen gezogen fühlen? besonders die männer finden bei frauen erweiterte pupillen sehr verführerisch. das ist auch der grund, warum herrenmagazine dunkeläugige modelle bevorzugen – sie signalisieren dem betrachter mittels scheinbar erweiterten pupillen offenheit und sexuelles interesse!
der verhaltensforscher eckhard j. hess führte interesanntes experiment durch. er zeigte männern zwei bilder des selben mädchens, wobei jedoch auf einem der bilder die pupillen so gefärbt waren, daß sie sehr groß wirkten. was glaubst du wie die männer reagierten? sie waren ohne ausnahme der meinung, daß das mädchen mit den großen pupillen nicht nur hübscher, sondern auch warmherziger und freundlicher  sei. natürlich interpretieren die männer die erweiterten pupillen des mädchens ganz unbewusst als sexuelles interesse und als anteilnahme, freude und offenheit. kein wunder, daß sich die versuchspersonen diesem „vielversprechenden“ blick nicht entziehen konnten.
einschlägige untersuchungen und test zeigen es immer wieder: die augen sind und bleiben der unwiderstehlichste anziehungspunkt im gesicht eines menschen. nicht nur weil sie eine quelle der schönheit, sondern auch weil sie unsere wichtigste informationsquelle über die gefühle eines menschen sind. nicht umsonst werden die augen als „spiegel der seele“ bezeichnet. jeder mensch hat ein stark ausgeprägtes gefühl für den ausdrucksgehalt der augen, heute genauso wie in früheren zeiten. das instinktive wissen um die macht und ausdruckskraft des blickes ist vom augenblick der ersten visuellen wahrnehmung an tief in uns verankert. blenden wir einmal zurück in aschgraue vorzeit.
das lebewesen, das während seines beutezuges durch die wildnis strich, wusste: wenn ich gesehen werde, werde ich verfolgt, und das kann tödlich für mich enden! noch heute, zehntausendjahre nach dieser jäger-beute situation, ist die angst vor dem todbringenden blick lebendig wie eh und je. der vielzitierte „böse blick“ ist nichts anderes als der unheilbringende blick des erkennens eines jägers in der wildnis. es gibt kein volk, das den „bösen blick“ nicht kennt und nicht früchtet. und alle völker definieren den „bösen blick“ als „starres fixieren“.
wer fixierend starrt, hat nichts gutes im sinn. unangemessenes „fixieren“ einer frau veranlasste männer noch im vorigen jahrhundert, sich zu duellieren! heute ist unter jugendlichen das „fixieren“ die unausgesprochene aufforderung zu einer rauferei. sogar die kleinen kinder scheinen von der magie des blickes fasziniert zu sein, da sie doch das alte spiel immer wieder spielen: „wer hält den blick länger aus?“ und wer den gegner vor einem angriff abhalten will, starrt ihn drohend an.
bei einem starren blick, der auf die verminderung der lidschläge zurückzuführen ist, wird dir ungemütlich; das charisma eines strahlenden blickes kann hingegen eine ganze flut von seelenregungen und emotionen in ihnen auslösen.
wenn heute menschen ihre augen mit vorliebe hinter einer sonnenbrille verbergen, lässt dieses zwanghafte abschirmen des blickes allerdings vermuten, dass dahinter die angst steckt, die umwelt könnte in den augen unsicherheit oder aggressionen entdecken, die der betreffende ständig unterdrückt. eine andere psychologische erklärung mag dem einen oder der anderen besser gefallen: die dunkle Brille soll wie eine übergroße pupille wirken und souveränität signalisieren.
hast du schon einmal überlegt, warum es im volksmund heißt, daß „augen nicht lügen können“? weil wir trotz aller verstellung den ausdruck unserer augen im allgemeinen nicht willentlich verändern können! wenn ein mann, der sich auf einer party scheinbar zwangslos mit einer frau unterhält, daran denkt, daß er gerne mit ihr ins bett gehen würde, so wird er sich bemühen, keinen wollüstigen gesichtsaudruck zu machen. aber seine augen verraten sein sexuelles interesse! dasselbe gilt für einen menschen, der dir scheinbar freundlich begegnet, dich aber in wirklichkeit zutiefst ablehnt – mit einigem einfühlungsvermögen kannst du seine abneigung in seinen augen lesen.

der psychologe dr. anton stangl unterscheidet die folgenden zehn grundmuster des augenausdrucks:
das wie aufgerissene auge zeigt eine erhöhte optische bezogenheit auf die umwelt. häufig sind gleichzeitig augen, nase, und mund geöffnet. diese symptome verweisen deutlich darauf, daß der betreffende sich nichts entgehen lassen, also mit allen sinnesorganen ein maximum an reizen aufnehmen will. das klassische beispiel für diese form des augenausdrucks sind die weit aufgerissenen, leuchtenden augen der kinder.
das voll geöffnete auge weist auf eine aufgeschlossene wesensart und auf eine hohe empfänglichkeit der sinne hin. darüber hinaus können voll geöffnete augen auch eine lebhafte geistige vorstellungstätigkeit, produktivität und vertrauen ausdrücken.
das verhagene oder verschleierte auge lässt auf trägheit, gleichgültigkeit oder resignation schliessen. in augenblicken sexueller erregung sind verhangene augen allerdings der beweis dafür, dass sich der betreffende in diesem moment für nichts anderes als den partner interessiert. im falle einer lähmung des „augendekkelhebers“, also jenes muskels, der für die liedöffnung verantwortlich ist, treffen diese urteile natürlich nicht zu.
der feste blick signalisiert selbstbewusstsein, willenstärke und kritikfähigkeit. wer einem anderen menschen mit festem blick ins auge sieht, zeigt damit, daß er keine reserven hat und seinem gegenüber respektiert und ihm vertraut. der feste blick deutet also ganz allgemein auf offenheit und ehrlichkeit hin.
der übermässig feste (fixierende) blick deutet auf mißtrauen, abstand, aber auch auf aufdringlichkeit, hinterhältigkeit oder böse absichten. in diese kategorie gehört auch der „stechende“ oder „kalte“ blick.
der unstete blick hält sich nirgends lange auf und läßt auf ein unausgegliechenes, ruheloses naturell schliessen.
der blick in unbestimmte ferne zeigt, dass der betreffende sich tagträumend mit bildern aus seiner vorstellungswelt beschäftigt.
der blick, der durch die augen des gesprächspartners „hindurchgeht“, verunsichert den gesprächspartner und lässt daher im allgemeinen auf eine unfaire wesensart schließen. dieser blick kann aber auch ostentative mißachtung des gegenübers ausdrücken.
der seitliche blick bei mehr oder minder abgewandtem gesicht zeigt ganz deutlich, dass der betreffende nicht bereit ist, seinem gegenüber seine volle zuwendung zu schenken. da der seitliche blick aus den augenwinkeln heraus erfolgt, lässt sich auf diese weise ein gesprächspartner unauffällig beobachten. seitliche blicke sind ein zeichen von mißtrauen und zurückhaltung.
der sich verengende blick deutet auf angriffslust, gelegentlich auch auf sexuelle angriffslust. ( literatur: sinnesfreude, lebenslust, gerti senger)

augen das biologische meisterwerk

kontakt:
achtsam berührt sein – praxis für freie therapie durch kreative ansätze
anna mastalerz, am hang 6, 29683 bad fallingbostel
www.achtsam-beruehrt-sein.dekontakt@achtsam-beruehrt-sein.de, tel. 0173 36 220 92

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.