„hara hachi bu“ und das geheimnis eines langen gesunden lebens

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warum leben die menschen der inselgruppe im süden japans  so lange wie nirgendwo sonst auf der welt? und woran liegt es, dass sie ein leben lang gesund bleiben? eins war schnell klar: allein die ernährungsweise zu betrachten reicht nicht aus. das okinawa-phänomen beruht auf traditionellen lebensweisen, die über hormone die gesundheit das wohlbefinden beeinflussen.

die insel der hunderjährigen

seit jahrzehnten versuchen forscher, dem geheimnis eines langen, gesunden lebens auf die spur zu kommen. mit gentechnischen kunstgriffen haben sie die lebensspanne von mäusen um das sechs- und die von hefekulturen sogar um das zehnfache verlängert. erst kürzlich entdeckte bradley willcox vom pacific health research institute auf hawaii das gen namens FOXO3A, das in einer ganz bestimmten variante die wahrscheinlichkeit des menschen, 100 zu werden, verdoppeln oder gar verdreifachen kann. doch für die meisten altersforscher steht inzwischen fest: wie lange wir von körperlichen und geistigen gebrechen verschont bleiben, ist weniger eine frage der gene als des lebensstils. zwar deuten mehrere studien darauf hin, dass die abstammung eine rolle spielt und dass bestimmte gene die langlebigkeit gezielt fördern können – insgesamt betrachtet wird die lebensdauer aber gerade einmal zu 20 bis 30 Prozent durch das erbgut bestimmt.

entscheidend ist vielmehr der richtige umgang mit dem körper. die anleitung hierzu liefert die okinawa centenarian study, eine der bedeutendsten studien zu diesem thema. seit 1976 untersuchen amerikanische und japanische forscher darin, welche faktoren die bevölkerung der japanischen insel-gruppe okinawa vitaler und zäher machen als den rest der menschheit. nirgendwo sonst auf der welt leben so viele 100-jährige wie auf dem eiland im pazifik. fast 600 der 1,3 Millionen bewohner haben hier bereits ihr zweites lebensjahrhundert erreicht. im verhältnis zur einwohnerzahl sind das mehr als sechs-mal so viele menschen wie in den USA. viele von ihnen sind rüstig und sehen um etliche jahre jünger aus, als sie sind. herzattacken sowie brust-, eierstock- und prostatakrebs treten nur ein viertel so häufig auf wie in anderen industriestaaten.

Tree of Life at Shurijo Castle, Okinawa
tree of life at shurijo castle, okinawa

inzwischen verstehen forscher auch, warum: aufgrund jahrhundertealter traditionen leben insbesondere die älteren einwohner okinawas noch heute nach regeln, die zellforscher, gerontologen, genetiker und psychologen inzwischen übereinstimmend als beste rezepte gegen vergreisung und verwirrung ausgemacht haben: viele der senioren halten sich mit regelmäßiger bewegung sowohl körperlich als auch geistig fit. okinawaner sind begeisterte hobbygärtner, gehen gerne zu fuß und pflegen von kindesbeinen an einen religiösen tanz, der dem tai-chi ähnelt. zudem ernähren sie sich wohlwollend. ihr essen ist fett- und salzarm, außerdem reich an früchten und gemüse, deren hoher gehalt an ballaststoffen und antioxidativen substanzen vor krebs, herzkrankheiten und schlaganfall schützt. vor allem aber folgen die meisten von ihnen einer alten japanischen weisheit namens „hara hachi bu“: statt sich bei jeder mahlzeit den bauch vollzuschlagen, essen die einwohner okinawas nur bis zu dem punkt, an dem sie zu etwa das gefühl haben satt zu sein.

bis heute haben die inselbewohner einen ausgeprägten gemeinschaftssinn und sorgen dafür, dass jedes mitglied der gesellschaft – vom jüngsten bis zum ältesten – mit respekt und wertschätzung behandelt wird. ein starkes und dauerhaftes soziales netzwerk, bestehend aus einer großen familie und vielen guten freunden, mit denen man freud und leid teilen kann, kennen übrigens nicht nur die bewohner okinawas. auch auf sardinien oder in neuschottland, den beiden anderen hochburgen der langlebigkeit, haben sich viele kleine oasen der gemeinschaft erhalten, in denen menschen nach wie vor ansprache, hilfe und unterstützung bei den anderen finden.

und sollte es mit dem gemeinschaftssinn doch einmal hapern, finden viele okinawaner immer noch halt in der religion. mit ihren traditionellen tänzen stärken sie nämlich nicht nur ihren körper. sie kultivieren damit auch ihre spiritualität. vielleicht, räumt selbst der an strengen wissenschaftlichen kriterien orientierte altersforscher willcox ein, ist es am ende genau das, „was ihnen doch eine extra-portion gesundheit beschert“.

für den aufbau von glückshormonen sorgt zum einen die tägliche bewegung. ein anderer faktor der uns jung hält sagt ein alter okinawer bewohner ist: wir kuscheln viel zusammen, treffen uns täglich, plaudern miteinander“auf okinawa herrscht den ganzen tag über „besuchszeit“. das heißt: man plaudert mit nachbarn, trifft die familie und isst gemeinsam. das führt zur ausschüttung des kuschelhormons oxytocin.

hochwertige – und vor allem cholesterinarme – proteine sind fester bestandteil aller mahlzeiten auf okinawa. durch die kombination von eiweiß aus hülsenfrüchten, tofu und nüssen, aber auch fettarmen milchprodukten und fisch mit reichlich gemüse kommen auf der japanischen inselgruppe nur wenig schnell verfügbare kohlen hydrate auf den tisch. das hält nicht nur den blutzucker-, sondern auch den insulinspiegel auf niedrigem niveau. heißhunger-attacken tauchen so gar nicht erst auf, und die fettverbrennung kann optimal ablaufen. übrigens, pflanzliche eiweiße sind immer cholesterinfrei! sie machen genauso satt wie diejenigen aus fleisch. sie schützen uns aber vor den folgen eines hohen fleischkonsums: nämlich bluthochdruck und herz-kreislauf-erkrankungen. deshalb beim frühstück auch gelegentlich mal zu soja joghurt, hafer- oder reismilch greifen. und für den kleinen hunger zwischendurch am besten eine handvoll erdnüsse oder mandeln in der tasche haben.

reichlich fisch, rapsöl, aber auch nüsse haben einen tollen fitmach-effekt – egal ob auf okinawa oder woanders. diese lebensmittel enthalten nämlich die sogenannten omega-3-fettsäuren. das sind ungesättigte fettsäuren, die den cholesteringehalt im blut senken und so unsere gefäße schützen.

aber auch die italienische insel sardinien gilt als hochburg der langlebigen. zur feier des tages zündet sich peppedda siotto im beisein ihrer urenkel genüsslich eine zigarette an. ihr hohes alter – die jubilarin begeht ihren 101. geburtstag – sieht man der rüstigen sardin nicht an. die insel sardinien und besonders die provinz nuoro im gebirgigen landesinneren gelten als landstrich der langlebigen. nirgendwo sonst in europa hat man bessere chancen, über hundert jahre alt zu werden als hier.

 

sardinien

schafskäse als jungbrunnen. gute gene, mediterranes essen, viel bewegung und dörfliche gemeinschaft – all dies vereint die langlebigen. nach dem geheimnis für sein hohes alter wird auch antonio angioi, jahrgang 1911, oft gefragt. „das ist simpel, man darf einfach nicht sterben“, scherzt er. der tägliche genuss von hauswein und pecorino gemeinsam mit nachbarn und familie zählt für signore angioi seit früher jugend zu seinen ritualen.

auf der weltausstellung expo in mailand wurde eine aktuelle studie vorgestellt. fazit: hauptgrund für die langlebigkeit der insulaner ist der proteinreiche schafskäse „pecorino sardo“, der bei keinem mahl fehlen darf. luca deiana von der universität sassari erforscht seit 20 Jahren die lebensgewohnheiten der über hundertjährigen auf seiner heimatinsel. er konnte in seinen studien beobachten, dass alle über neunzigjährigen zu jedem mittag- und abendessen ein stück pecorino verzehren, so der professor. gute gene wären nur bei einem drittel ausschlaggebend. viel wichtiger seien naturbelassene ernährung und aktiver lebensstil.

 

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