Die Basischakra der europäischen Herzlinie

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sitzen ist es

spirituelle erfahrungen am wurzelpunkt der europäischen herzlinie – in nordafrika –

wir befinden uns am nordöstlichen zipfel afrikas, in tunesien, auf der halbinsel cap bon. von hier aus zeichnet der leylinienforscher peter dawkins in seinem buch „die widerentedeckung der tempelwissenschaften“ (s.172) eine vertikale linie durch europa, die sardinien; mailand – das hauptquartier der römischen kaiser -; die insel reichenau mit der abteikirche st.marien im bodensee; das heidnische heiligtum der externsteine in der nähe von hannover; das kulturelle zentrum der vikinger in jütland und die schneebedeckten berge des südlichen norwegens schneidet. er ordnet diese linie in den „landschaftstempel europas“ ein, der eine geomantische abbildung des in den alten legenden vom heiligen gral erwähnten gralskönigreiches sein soll.

rundherum ist hügeliges, teils bewaldetes, teils bewirschaftetes land. der boden ist in dieser gegend ungeheuer fruchtbar und schon vor langer zeit war diese landschaft wegen ihres reichtums an obst- und gemüseplantagen bekannt. ‚vor langer zeit‘ meint das 5./6.jahrundert, als das punische handelszentrum karthago die beherrschende mittelmeermacht war. über drei jahrhunderte vor dem römischen imperium waren die punier am cap bon ansässig und entfalteten ihre hochentwickelte städtische kultur. beispiele für den kulturellen stand der punier finden sich praktischer natur: so  gab es in jedem haus eine eigene zisterne und die abwasser wurden bereits in unterirdisch verlegte rohren abgeleitet. ganz anders als in europa, wo noch in 12./13.jahrhundert in den städten die abwässer in rinnsalen auf der strasse entlangflossen. aber auch auf spirituellem gebiet müssen die punier – wie viele andere alte völker auch – ein erfahrungsmässiges verständnis von geomantischen zusammenhängen gehabt haben und über meine diesbezüglichen erlebnisse soll dieser artikel handeln.

wir befinden uns also auf cap bon, genauer auf der ausgrabungsstätte einer alten punischen stadt, in kerkouane. wir sind umhergeschlendert und haben uns schliesslich auf dem tempelplatz des dorfes nierderglassen (vgl.photo). die gleissende sonne sengt vom himmel über afrika herab und wenn ich meine haut nicht wie viele afrikaner sorgsam mit tüchern bedecken würde, wäre ein sonnenbrand die sichere folge meines unterfangens. die atmosphäre hat die für afrika typische leichtigkeit und eine gewisse zeitlosigkeit hat mich längst eingeholt. ein gefühl von warten-können-ohne-gelangweilt zu werden; von aufmerksam-sein- ohne-mich-konzentrieren zu müssen oder von lebensintensität, ohne die typisch romantische schwere eines europäers zu empfinden.

wenige meter neben mir brechen die klippen herab ins meer, dass in türkisenen farben leuchtet und auf dem weisse gischtkronen tänzeln, als wollten sie die kraft der an die felsen schlagenden wellen persiflieren. ein kühler wind weht vom meer und zaust meine haare, wirft salzpartikel in der luft umher, die meine lippen beissen.

vom meer her wurde diese alte stadt wieder gefunden, denn sie war von den römern ‚geschliffen‘ worden und wie die bekanntere punische haupststadt bei tunis, karthago, vollständig unter fruchtbarer erde begraben. ende der siebziger jahre zogen fischer der benachbarten künstlerkolonie hammamet aus ihren netzen alte tönerne gefässe vom meeresgrund und bei der suche nach deren herkunft, war man auf dies stadtreste von kerkouane gestossen.

ich sitze auf einem platz von den ausmassen eines typischen deutschen wohnzimmers. aber eine geste die der wahren grösse diese platzes entspricht und die im typisch deutsche wohnzimmer sicher völlig unpassend ist, wäre in einem weiten gewand mit erhobenen armen im wind vor mehreren hundert menschen zu stehen. was auch immer die priester früherer zeiten an diesem platz getan haben. ihre gesten und kräfte wurden von diesem platz unterstützt und hinterliessen ihre spuren hier.

um mich stehen die sechs sockel der säulen dieses tempels und hinter mir steht das taufbecken, dessen wunderschöne rötliche steinmosaike noch erhalten geblieben sind und ich sitze mit dem rücken an einen dieser sockel gelehnt.

sitzen ist es. mein rücken an diesem stein, der früher die säulen dieses tempels getragen hat. ich fühle so tief in die erde hinein, als müsste das untere ende meines basischakras in flüssiger lava glühen. ohne anstrengung. es ist einfach, als würde etwas in mir in mein becken hinuntersinken; durch den stein, durch den sandigen boden dieses alten tempels, durch die felsen da unten, immer tiefer in mutter erde versinken. es gibt nichts mehr zu tun. gleichzeitig richtet mich eine kraft auf, dehnt und streckt meine wirbelsäule. die mühe, beim sitzenden meditieren aufrecht zu bleiben ist vergessen, denn etwas scheint mich auszudehnen. meine innere wahrnehmung ist mit der tiefe meines erlebens im bauch von mutter erde befasst und gleichzeitig sind meine augen geöffnet und weit und entspannt.

nicht-denken ist hier keine übung. hier ist nicht-denken eine natürliche art zu sein. auf diesem stein. kein guru, keine regeln des gebets, keine übungsdisziplin. nur selbst-vergessenes sitzen. hier ist die überwindung eines kleinen egos nicht teil einer religiösen schulung; hier wird diese überwindung einfach erlebt.

ich sitze auf einem tempelplatz am basischakra der europäischen herzlinie und tatsächlich erinnert mich das, was ich hier erlebte, an meine erfahrungen auf reichenau, auf den basaltsteinspitzen der externsteine und an meine winterlichen urlaubsreisen nach jütland. das diese erfahrungen „auf derselben linie“ liegen, ist mir erst bei den nachforschungen zu diesem artikel bewusst geworden. dies ist ein platz an dem geschehen kann was der begründer des aikido, o sensei morichei ueshiba schon 1925 feststellte:

„wirklicher frieden entsteht, wenn wir unseren körper, unseren geist und unsere beziehungen zu anderen menschen und zur natur wieder mit dem universalen geschehen in einklang bringen.“

 
bildnachweis: die wurzel der heimat – anna mastalerz

als literatur wären folgende bücher zu empfehlen:

–  barbara rausch; tunesien; wetzlar 1992
–  antoine de saint exupéry; die stadt in der wüste; düsseldorf 1976
–  peter dawkins;die wiederentdeckung de tempelwissenschaft;mün.’96
–  alberto vazquez figueroa; tuareg; münchen 1986
–  hassouna mosbahi; tunesische erzählungen; nördlingen 1989

kontakt:

bernhard schlage
körperpsychotherapie, schriftstellerei
gemeinschaftspraxis kugel e.v.
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